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Eine Zeitreise

Jingdezhen (景德镇) in der Provinz Jiangxi ist Porzellanliebhabern mit Sicherheit ein Begriff. Wiebke wollte hier ohnehin schon einmal für einen großen Keramikeinkauf hin. In der Region liegen allerdings auch so einige alte Dörfer chinesischer Minderheiten, die in ihrer Art und Weise noch sehr nahe an dem sind, wie sie (z.T. im 17. Jahrhundert) entstanden sind. Wenn Tourismus in China meist Crowd‑Management ist, so kann man sich das hier wie einen Spaziergang durch eine deutsche Fachwerk‑Altstadt vorstellen – nur eben nicht Fachwerk und nicht in Deutschland… Aber eben sehr ruhig und ursprünglich erhalten. Natürlich gibt es auch die Dörfer, die schon mit Infrastruktur und vielen kleinen Megafonen auf Daueransage für den Massentourismus assimiliert sind. Diese meiden wir tunlichst.

Unser Flieger geht sehr früh am Morgen vom Pekinger Flughafen Daxing (gut 60 km im Süden Pekings gelegen). Unser Wecker klingelt also zeitig. Insgesamt gehen von und nach Peking nur zwei Flieger am Tag – morgens und abends – nach Jingdezhen. Eine weitere Verbindung besteht zwei mal am Tag von dort nach Shanghai – mehr nicht! Die Stadt ist glaube ich so groß wie Hamburg, und der Flughafen hat fünf Flugsteige. Man hat hier für die brummende Zukunft geplant. Wir gehen die 100 Meter vom Gepäckband zum Parkplatz, um den Mietwagen abzuholen. Die Karre ist völlig „verdengelt“ – Einparken ist so eine Sache. Kratzer hier und Kratzer dort. Die A‑Säule und das Dach haben zudem eine Schranke abgefangen. Ich mache viele Bilder und speichere diese in der App – einen Mitarbeitenden gibt es an dieser Ausleihstation nicht. Die Menge der Beschädigungen blockiert irgendetwas im Prozess der Software. Und während wir auf eine Aktualisierung und Freigabe des Autos warten, klingelt das Telefon. Die Mitarbeitenden in der – wo auch immer gelegenen – nächsten Mietstation sind misstrauisch geworden. Wie das am Telefon so ist: man versteht immer dann, wenn es wichtig ist, nur Bahnhof. Wir fragen kurzerhand das Pärchen im Mietwagen nebenan um Hilfe. Sie erklären dem Menschen am anderen Ende der Leitung, was alles zu sehen ist und welche Fragen die App stellt. Irgendwann hupt das Auto und schließt die Türen auf. So ein bisschen scheint allerdings der Wurm drin zu sein. Der Wagen springt nicht an – alles ohne Zündschloss. Ich drücke, drehe, presse und fummle an den Knöpfen, Schaltern sowie den Pedalen. Nichts passiert. Nicht einmal die Displays oder das Radio gehen an. Dann rufe ich den Typen noch einmal an, erkläre ihm Schritt für Schritt, was ich gemacht habe… und dann läuft der Motor. Top! Auf dem Weg zu unserer ersten Übernachtung halten wir noch für einen Kaffee.

Angekommen. Bei dem Dorf Sixi handelt es sich um eine Ansammlung von alten Häusern und sehr schmalen Gassen. Ein Auto passt dort nicht hinein. Wir parken also auf dem großen Parkplatz am Rande des Örtchens und gehen zum Kassenhäuschen. Freundlicherweise ruft man für uns bei unserer Unterkunft an. Wir werden abgeholt, und unsere Tickets für das Dorf werden mit einem Gesichtsscan personalisiert. Papier brauchen wir jetzt nicht mehr, ein Blick in die Kamera reicht. Wie bequem die Welt doch ist, wenn man auf Datenschutz verzichtet…🙄. 10 Minuten später sitzen wir im elektrischen Mini-Auto unserer Wirtin und rasen mit einem Affenzahn durch das schmale Wegenetz.

Nach einer kurzen Pause in unserem wunderschönen, 200 Jahre alten Hotel (mit Zimmer-Upgrade und ohne weitere Gäste!) machen wir uns auf den Weg, das Dorf zu erkunden – außerdem wollen wir die knapp zwei Kilometer zum nächsten Örtchen Yancun gehen. Alles wunderschön. Leise – keine Megafone, keine Ansagen, kaum schreiende Leute. Apropos Leute: Wir sehen an fast jeder Ecke größere Gruppen malender junger Menschen. Unsere Wirtin erklärt uns, es seien Kunststudenten der nahegelegenen Universität. Talent scheint vorhanden zu sein, wenn man so über die Schultern schaut.

Unser Rückweg wird ein bisschen abenteuerlich. Wir folgen einem auf der Karte eingezeichneten Weg, der auf den letzten 500 Metern vor einer Gruppe dichter Hecken endet. Wiebke bricht durch das Gehölz, ich folge zögerlich. Indiana Jones lässt grüßen 🤠!

Die Provinz Jiangxi ist mit alten Poststraßen durchzogen. Für die meisten Strecken wird ein Führer empfohlen. Heute fahren wir jedoch in ein Dorf, das am Ende (oder eben am Anfang) einer schönen Wanderung auf einem dieser alten Postwege liegt. Wir lassen das Gepäck noch im Auto auf dem Dorfplatz, ziehen uns um und stapfen los. So richtig im Flow sind wir mit dem Navigieren allerdings noch nicht. Weder finden wir unsere Unterkunft, die wir schon einmal von außen betrachten wollten, noch den Einstieg in die Wanderung – ich meine, wie schwer kann das sein, heißt es doch Post‑STRASSE?! Wir laufen erst einmal zur falschen Seite aus dem Dorf heraus… Irgendwann haben wir den EInstieg gefunden und die Wanderung wird wunderschön und wirklich knackig anstrengend!! Es geht ordentlich hoch und runter auf zahllosen Stufen, durch Teeplantagen und Bambuswälder.


On the RoadSa., 25.04.So., 26.04.
Strecke 97 km (blau)79 km (gelb)
Zeit in Bewegung5 h 40 min7 h 40 min
Ø-Geschwindigkeit17 km/h10 km/h
Höhenmeter bergauf737 m1.704 m
Höhenmeter bergab684 m1.489 m
Höchster Punkt253 m702 m
Tiefster Punkt33 m95 m
HöhenprofilHöhenprofil
Wanderung mit Bus, Bahn & per pedesSa., 25.04.So., 26.04.
Strecke 6,9 km (grün)16 km (rot)
Zeit insgesamt2 h 24 min6 h 33 min
Zeit in Bewegung1 h 21 min4 h 30 min
Ø-Geschwindigkeit11:54 /km16:54 /km
Höhenmeter bergauf53 m885 m
Höhenmeter bergab43 m884 m
Höchster Punkt100 m696 m
Tiefster Punkt85 m221 m
HöhenprofilHöhenprofil

Stationen in der Region

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