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One Night in Bangkok
One Night in Bangkok

One Night in Bangkok

Lange ist es her, dass wir in Thailand waren – sowohl für Wiebke als auch für mich. Ich war nach meinen sechs Monaten in Bangkok für das Praktikum 2004 zuletzt 2006 in der Stadt. Wiebke war in einem ähnlichen Zeitraum für einen Urlaub mit Atzler und Olli dort, um die bestandene Ausbildung zu feiern. Mindestens 20 Jahre also waren wir nicht im Land. Warum das so lange nichts wurde, können wir beide nicht so richtig beantworten. Die Frage, warum gerade jetzt dorthin zurück, lässt sich aber klären. Ich muss dafür nur ein wenig ausholen – siehe „Die Phuket-Scharade“ ;).

Die Phuket-Scharade (👈🏻 klicken)

Trevor will zu seinem 50. Geburtstag mal so richtig durch den Tisch treten und plant, auf Phuket zu feiern. Ich war noch nie dort, finde aber die Idee, ein bisschen am Strand in einer schönen Hütte abzuhängen, sehr sympathisch – ich habe da so etwas wie unser kleines Inselparadies in Malaysia im Kopf (Link zum Beitrag). „Wir“ im Sinne von „ich“ sagen also zu. Wiebke hat keine Zeit. Dann buche ich meinen Flug – um die Hütte am Strand will ich mich später kümmern.

Ja genau, bislang hat das ja noch wenig mit Bangkok zu tun – das kommt jetzt. Zwischenzeitlich, bevor ich wusste, wie die Lage auf Phuket ist, schlägt eine Gruppe unserer Pekinger Freunde vor, über die Feiertage des chinesischen Neujahrs nach Bangkok zu fahren. Ich sage zu – bin ich doch ohnehin „in der Gegend“. Wiebke, die einen Ausflug nach Österreich geplant hat, bucht kurzentschlossen eine Verbindung mit Aufenthalt in Bangkok. Es sollen ein paar schöne Tage zur Neuerkundung der vor 20 Jahren altbekannten Stadt werden.

Als ich kurz vor Reisebeginn die Angebote für Unterkünfte durchschaue, bin ich in mehrfacher Hinsicht überrascht: Kaum eine Unterkunft ist frei, alles ist teuer, und es gibt keine Hütten am Strand (außer exklusiven Resorts – zu sehr sehr exklusiven Preisen!). Ein befreundetes Pärchen ist schon in der Gegend, um die Elternzeit in der Sonne zu verbringen, und ich frage nach: Schöne, einsame Hütten am Strand zu günstigen Preisen (wie zu Zeiten des Films „The Beach“) gibt es quasi sowieso nicht mehr. Außerdem sei es derzeit sehr voll mit Urlaubern aller Nationalitäten. Meine Erwartungshaltung und die Realität könnten kaum weiter auseinanderdriften. Als ich dann noch einen aktuellen Bericht zur Wasserqualität lese – in der Hochsaison übersteigt die Menge an Abwasser die Klärwerkskapazitäten, und per Überlauf fließt es direkt in die Bucht … Algenblüte aufgrund des hohen „Nährstoffgehalts“, heißt es dann –, verliere ich die Nerven und sage ab.

Alle Flugverbindungen zu stornieren kommt wegen zu hoher Gebühren nicht in Frage. Daher buche ich einen separaten Flug Peking–Bangkok hin und zurück. Ganz so günstig ist das nun nicht mehr, da alles recht kurzfristig stattfindet, direkt auf die Tage des Neujahrsfestes fällt und die Nachfrage nach Flügen aus China enorm ist. Statt regulär um die 200 Euro gehen die Tickets zu bestimmten Zeiten zu fast 700 Euro über den digitalen Ladentisch!

Um einigermaßen günstig zu fliegen, buche ich eine abstruse Flugzeit und fliege einen Tag vor Wiebke. Trotz separater Taxis und einer zusätzlichen Hotelübernachtung ist das immer noch günstiger. So bin ich also in Bangkok am Flughafen – nur eben noch schnell Geld holen, um dann mit dem Taxi zum Hotel zu fahren. Als ich feststelle, dass ich alle meine Geldkarten in Peking vergessen habe, springe ich wie Rumpelstilzchen fluchend um meinen Kofferkuli – so eine MEGA-SCHxxSSE! Mal abgesehen vom morgigen Tag (Essen usw.) … WIE KOMME ICH JETZT ZUM HOTEL?! Eine SIM-Karte habe ich zum Glück schon und frage herum. Dan ist schon in der Stadt und würde notfalls einen Wagen schicken. Außerdem scheint die App „Grab“ in Bangkok sehr verbreitet zu sein. Ich kann sie installieren und meine Kreditkarte hinterlegen. Es dauert zwar eine Weile, bis ich um 2 Uhr morgens am Flughafen ein Auto per App bekomme, aber immerhin bin ich im Hotel – nicht schlecht :)!

Mein erster Tag in der Stadt ist folglich ein wenig dröge. Ich versuche alles Mögliche, um mit einem per App gebuchten Fahrzeug durch die Stadt zu kommen, werde aber durch alle möglichen Widrigkeiten abgehalten. Konsequenterweise lehnen Fahrer die Strecken ab, die ich fahren möchte – es ist Rushhour und andere Kunden scheinen lukrativer. Andere Apps lassen mich gar nicht erst bezahlen. Ich gehe also etwas ernüchtert zurück zum Hotel. Auch dort will man mir nicht wirklich Kredit gewähren, ohne die physische Karte gesehen zu haben. Also gibt es weder Frühstück noch andere Verpflegung im Hotel. Ich finde glücklicherweise heraus, dass die App von gestern Abend auch einen Lieferdienst für Restaurants umfasst – YIPPIEH! Ich bestelle mittags als erweitertes Frühstück ein Curry und Mango mit Sticky Rice. So lecker, kaum zu glauben! Abends gibt es einen Papaya-Salat und noch ein paar Kleinigkeiten. Meine Güte, thailändisches „scharf“ ist wirklich noch einmal eine andere Liga als das scharfe Essen in China … Spät in der Nacht oder früh am Morgen kommt dann Wiebke an.

Unser gemeinsamer Tag in der Stadt gleicht einem Déjà-vu. So vieles kommt uns diffus bekannt und sogar vertraut vor, bleibt aber nach so vielen Jahren als Erinnerung schwer greifbar. Laut ist es, sehr laut! Und schwül. Und heiss. Ich frage mich, wie ich es in der Stadt ganze sechs Monate ausgehalten habe … Am späten Nachmittag treffen wir uns noch mit Lil und Paul – schöne Zufälle gibt es :)!


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