Es ist das Wochenende über den 1. Mai. In Peking und allgemein in den Tälern ist es schon schön warm, in den Bergen wird es nachts allerdings noch empfindlich kalt. Ich bin heiß wie Frittenfett darauf, die Maschine nach den zahlreichen Upgrades endlich mal über einige Tage am Stück auf Herz und Nieren zu prüfen. Ursprünglich dachte ich an sieben Tage und gute 2.000 km. Das Wetter – recht kalt in den Bergen und jede Menge Regen in den Vorhersagen – hat den Plan dann auf ein langes Wochenende zusammengestrichen. Es geht nach Westen: raus aus Peking und ab in die wilde Provinz Hebei.
Clemens rettet meinen Tag, als er bei einer Kaffeepause plötzlich Teilchen vom deutschen Bäcker aus der Tasche zieht. MEGA 🤩!






Im weiteren Verlauf des Tages zweifle ich langsam an meinem Gehör – irgendwie klimpert und klingelt es. Das ist im besten Fall nur nervig. Wenn man allerdings sein Moped bis auf die letzten Schrauben demontiert und wieder zusammengesetzt hat, will man definitiv keine metallischen Geräusche hören, die eindeutig darauf hinweisen, dass etwas lose ist und sich vermutlich bald verabschiedet… Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen – oder besser: wie Bohnen aus den Ohren. Die Geräusche kommen gar nicht von mir, sondern von Clemens’ Bock! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Maschine durch Hubraum, Drehmoment und die brachiale Power freirüttelt.
Da wir selbst nicht das passende Werkzeug dabeihaben, suchen wir nach einer Werkstatt im nächsten Ort, wo uns sofort herzlich geholfen wird. Am Ende verursacht Clemens fast einen handfesten Eklat, als er versucht, die eigentliche Summe für Teile und Werkzeuge mit einem deftigen Trinkgeld zu begleichen. Die Szene kann man sich bildlich vorstellen: Clemens kommt zügig aus dem Verkaufsraum, dicht verfolgt von dem Mechaniker, der ihm wild gestikulierend den Geldschein wieder in die Hand drücken will– einfach herrlich komisch! Ein Trinkgeld, das den berechneten Betrag von 1,30 Euro auf glatte 13 Euro verzehnfacht, ist für die ehrlichen Leute schlicht nicht akzeptabel, und der gute Mann verweigert prompt jede Annahme. Am Abend schickt Clemens den Betrag samt Obolus dann einfach heimlich per WeChat – schließlich hatten wir vorsorglich den Zahlungs-QR-Code abfotografiert.
Eine neugierige Abbiegung und einen steilen Trail später finden wir einen ziemlich verlassen wirkenden „Gemeindeplatz“ hoch oben am Berg und schlagen dort unser Nachtlager auf.









Max hat mir schon vor längerem einen steilen Canyon westlich von Peking empfohlen. Der Tag wird sich als spektakulär herausstellen: tolle Bergstraßen, ein Canyon der Superlative und viele Stellen, an denen offensichtlich Kulissen für Filme gebaut wurden. Clemens’ Moped hatte zwischendurch mal Bock, auf der Seite zu liegen… Dabei verbiegt es massiv das Gestänge des Schalthebels, und die Kette springt vom Kettenblatt– habe ich ehrlich gesagt noch nicht erlebt! Wir machen uns also mitten im Canyon daran, einige Feldreparaturen durchzuführen. Verbogenes Metall dengeln wir mit Amboss und Hammer aus Feldsteinen funktional gerade. Die Kette sitzt dann auch wieder gut. In der Zwischenzeit ziehen dunkle Wolken auf, und wir befürchten gleich mehrere Probleme. Erstens ist die Strecke zwischendrin extrem schwierig, mit steilen Rampen und vielen, vielen verblockten Steinen– hier wollen wir beide nicht im Regen fahren. Und zweitens muss man ja auch vermuten, dass sich, wenn es stark regnet, in einem Canyon irgendwo Wasser ansammelt…
Alles geht gut. Wir werden nur fürchterlich nass geregnet und suchen daher schon am frühen Nachmittag ein Hotel auf.
Ich notiere mir heute: a) fehlendes Werkzeug bestellen, b) eine Lösung für Regentage finden– auch wenn Letzteres ja niemand will…















Heute geht es durch die Berge auf der Suche nach Trails, Poststraßen und auch ein wenig als Flucht vor dem hinter uns aufziehenden Regen.

























Heute ist schon Montag, und es geht zurück. Clemens muss morgen wieder ins Studio, und ich bin von dem Wetter ein wenig irritiert. Außerdem scheint das Moped und alles, was ich so geschraubt habe, sehr gut zu halten.
Ganz anders läuft es bei Clemens. Dieses Wochenende ist der Wurm drin. Eine Seite der Federgabel verliert schon wieder Öl, und mitten auf der Etappe reißt ihm der Bowdenzug zur Kupplung. Für ihn ist die Tour vorbei, und der „chinesische ADAC“ wird ihn und das Moped zurück in die Stadt bringen.
Ich fahre den Rest der Strecke alleine und freue mich schon auf die große Tour ab Ende Mai! Denke ich zu dem Zeitpunkt zumindest noch …
















| On the Road | Fr., 01.05. | Sa., 02.05. | So., 03.05. | Mo., 04.05. |
|---|---|---|---|---|
| Strecke | 168,7 km (blau) | 71,9 km (gelb) | 178,4 km (grün) | 174,1 km (red) |
| Zeit insgesamt | 9 h 33 min | 6 h 06 min | 7 h 38 min | 8 h 09 min |
| Höhenmeter bergauf | 1.778 m | 1.636 m | 2.046 m | 2.387 m |
| Höhenmeter bergab | 1.298 m | 1.572 m | 1.921 m | 2.858 m |
| Höchster Punkt | 648 m | 1.478 m | 881 m | 1.083 m |
| Tiefster Punkt | 30 m | 386 m | 409 m | 30 m |
| Höhenprofil | Höhenprofil | Höhenprofil | Höhenprofil |
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In Gedenken an meine Oma und meine Schwester
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