Eigentlich wären wir nach dem Hausboot relativ zeitnah zurück nach Peking geflogen. Da sich die Urlaubsplanung im Team des Studios allerdings geändert hat, hat auch Wiebke potenziell Spielraum, ihren Urlaub um ein paar Tage zu verlängern. Das würde uns erlauben, an der eigentlich schon von uns abgesagten Hochzeit unserer zwei Freunde, Victoria und James, aus Peking teilzunehmen. Die beiden heiraten nämlich Ende des Monats nicht in Peking, sondern in einem Ferienhaus in Südspanien. Der perfekte Nährboden für eine Schnapsidee! Ich schlage Wiebke Folgendes vor: Wenn ich jetzt mit dem Camper losfahre, kann ich sie in einer Woche in Bilbao am Flughafen einsammeln. Ich fahre mit dem Bus vorweg, und Wiebke kommt mit dem Flieger hinterher – das würde ihr erlauben, in der Zwischenzeit noch so einigen Kram und bisher Geplantes zu erledigen. Und in Spanien hätten wir dann immerhin eine ganze Woche gemeinsamen Urlaub!
Ich fahre also am Sonntag vom Hausboot aus los und schaue, wie weit ich kommen werde. Als sich abzeichnet, dass ich es bis in die Region Köln schaffen könnte, rufe ich Jörgi an. Er ist Feuer und Flamme von der Idee, schickt mir noch mal seine aktuelle Adresse, und ich habe eine Verabredung zum Abendessen sowie ein Plätzchen zum Schlafen – naja, das hab ich immer, aber diesmal bei Jörg vor dem Haus. Überraschenderweise denke ich immer, Jörg kommt aus der Großstadt – weit gefehlt… Danke für den schönen Abend und das leckere Essen, schön, euch alle gesehen zu haben!
Es ist bereits später Vormittag, als ich am nächsten Tag losfahre. Viel Gelaber, mehrere Kaffee und Tassen leckeren Matcha-Tees machen meinen Aufbruch schwer. Kurz nervös wird Jörg noch einmal, als ich beim Abschied vorschlage: Hej, pack dein Surfbrett ein und komm mit…! 🤪
Ohne Jörg geht es für mich erst einmal weiter Richtung Westen. Es sollen keine Marathon-Tagesetappen werden. Der Weg ist das Ziel, und ein bisschen erholsam soll es ja auch sein. Mir fällt ein sehr schöner Fleck ein, an dem Wiebke und ich schon einmal über Nacht gestanden haben. Also geht es in die Champagne – dann doch ein wenig Marathon. So viel wir auch von der Welt sehen, sobald man sich in Europa auf den Weg macht– wird man sich der Schönheit der unterschiedlichen Regionen bewusst. Belgien und Frankreich sind ja nur der Anfang, und ich bin begeistert!








Ein weiterer langer Schlag (ich fahre fast ausschließlich mautfreie Landstraßen), und ich befinde mich an der Loire– was für eine malerische Region. Schlösser, Burgen und schöne Täler prägen das Landschaftsbild. Als ich am Abend auf der schmalen Deichstraße des Flusses entlangfahre, finde ich eine kleine Stichstraße in einem kleinen Wald, die von lokalen Fischern benutzt wird. So scheint es zumindest. Wenn ich zugeparkt werde, komme ich hier erst einmal nicht mehr weg… Das Wasser ist seicht und schön kühl. Ich baue alles für das Abendessen auf und setze mich mit dem Campingstuhl ins Wasser. Um mich mal ganz abzukühlen, wate ich einige Meter durch das knietiefe Wasser weiter in den Flusslauf. Der Bereich mit dem tiefen Wasser ist noch weit entfernt. Mir zu weit, und ich dippe mich einfach längs unter Wasser– tolle Erfrischung! Am Abend recherchiere ich noch zur Region und erfahre, dass der Flusslauf in der Gegend, in der ich mich befinde, seit Jahren mit einem totalen Badeverbot belegt ist, weil der feine Kiesgrund Treibsand-ähnliche Senken entwickeln kann und jedes Jahr mehrere Badetote (trotz Verbot und empfindlicher Geldstrafen) zu beklagen sind. Ich bin froh, dass mir nichts passiert ist!! Mein Güte, der sieht so friedlich aus, der Fluss…
Am nächsten Tag mache ich noch eine kleine Tour mit dem MTB in den naheliegenden Weinbergen und kühle mich mit einem Sprung ins frische Nass eines offiziellen Badesees ab. Okay, es ist nicht nur kühl, es macht auch sauber. Ich sehe nach der Radtour nämlich aus wie ein kleines Wildschwein, LOL.
Gestern habe ich mich bei MP als Überraschungsbesuch angemeldet. Die lustigen Vier sind zur Zeit am Atlantik im Sommerurlaub und ich bin heute Abend dort. Wir labern, grillen und freuen uns am ortstypischen Getränk. Als am nächsten Tag dann Regen und Gewitter aufziehen, beschließe ich, direkt weiterzufahren. Schön war es bei euch, danke für den leckeren Grillabend!
Ich hab ja einen Termin, an dem ich in Bilbao sein will. Es geht weiter die Küste runter zu einem sehr schönen altbekannten Fleckchen. Aus dem „Ich fahr mal kurz dorthin“ wird mit extrem viel Verkehr und Staus eine ganze Tagesetappe. Als ich am Abend ankomme, sind auch noch alle Stellplätze belegt, und ich muss improvisieren. Es wird trotzdem ein wunderschöner Abstecher.





















Es ist übrigens bummswarm und furztrocken. Ich bin ja eher so der Coolcation-Typ…


Wegen der Hitze beschließe ich kurzerhand, hoch in die Pyrenäen zu fahren– also etwas südlich von Biarritz. Es ist plötzlich alles saftig grün, und die Temperaturen sind mindestens 10 °C kühler. Ich kaufe ordentlich ein und suche mir einen schönen Campingplatz– ausnahmsweise nur elf Euro die Nacht. Auf einem Bauernhof. Das ist rekordverdächtig günstig, sind doch die Preise für Übernachtungen die letzten Jahre komplett durch die Decke gegangen.
Interessant wird es, als ich nach dem Einkaufen das Auto starten will. Aus dem einteiligen Klappschlüssel werden zwei Teile, und wenn ich nur den Schlüssel mit der Zange bedienen will, fehlt dem Auto die Funkverbindung zum Rest des Schlüssels. Nun gut, sei’s dem Schlüssel gegönnt, er hat ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Wiebke packt den Ersatzschlüssel in ihren Koffer, und ich bastele mir derweil eine Lösung.
Am nächsten Tag mache ich eine schöne Tour mit dem MTB. Die Tour hält einen derben Spannungsmoment für mich bereit. Ich habe gerade noch überlegt, ob ich mir meine Protektoren anlegen soll, weil das Gelände etwas rauer wurde. Als ich durch das Blätterdach einen Rettungshubschrauber sehe– der fliegt nur vorbei, macht es den Anschein. Ich rolle los. Auf die Protektoren verzichte ich und mache lieber langsam! Als ich um die Ecke komme, wird es steil, und ich sehe eine Person auf dem steinigen, rauen Feldweg liegen. Erst denke ich, das wäre ein Streich, da ich weder Fahrrad noch Motorrad seh. Aber der Typ liegt da ja nun mal „in echt“, und seine Kleidung ist relativ zerschunden. Ich gehe hin und rechne schon mit dem Schlimmsten. Auf meine Ansprache reagiert er spontan und wach, indem er mir erklärt, dass er gestürzt sei (danke, soweit war ich ja auch schon gekommen, aber zumindest ist er wach und kann sich konzentriert unterhalten). Sein Freund hätte sein Fahrrad den Berg runtergeschoben– es sind nur noch 400 m– und Hilfe sei unterwegs. Er sagt, ich könne ihn hier einfach liegen lassen. Das mache ich natürlich nicht gerne, aber auch nach mehrmaligem Nachfragen besteht er darauf, dass alles geregelt sei. An der Straße stehen dann auch schon seine Freunde. Und auch die Bergrettung kommt mit dem Auto an. Der Hubschrauber konnte übrigens nicht landen, da das Gelände zu steil und bewaldet ist. Safety first, man!

























Morgen kommt Wiebke an. Heute Abend ist das WM-Finale. Ich könnte also schon nach Bilbao fahren und mich bei 35 Grad und mehr mit den Spaniern in einer Bodega bei Bier und Tapas über das Spiel freuen. Oder ich bleibe hier in der kühlen, grünen Bergregion, mache heute eine Wanderung und suche mir auf dem Weg etwas zum Pennen. Ratet mal…
Zum Frühstück gibt es knackfrisches Baguette mit gesalzener Butter aus der Bretagne und dem guten Kräuterfrischkäse aus der 80er-Jahre-Werbung! Lecker!
Nach der Wanderung fahre ich die kleine, schmale Passstraße hoch– immer mit einem Auge nach potenziellen Plätzchen zum Parken für die Nacht suchend. Ein paar Stellen waren schon okay, und ich habe sie mir gemerkt. Sollte ich nichts Besseres finden, fahre ich eben die paar Kilometer zurück. Dann sehe ich einen sehr steilen, aber recht gut ausgebauten Schotterweg– das hält grundsätzlich schon einmal 98% der anderen Camper davon ab, dort zu schauen. Ich fahre hoch. Allrad und Differenzialsperre drin, und dennoch kratzen die Räder ordentlich. Da muss ich beim Runterfahren gut aufpassen… Oben angekommen, finde ich eine schöne Lichtung mit einer Art Jagdhütte. Ein Brunnen speit frisches, kaltes Quellwasser. Ich bleibe. Kein Handyempfang, kein Fußball, kein Problem 😉
































| On the Road | So., 12.07. – So. 19.07. |
|---|---|
| Strecke | 1.996 km (blau) |
| Zeit insgesamt | 171 h 42 min |
| Höhenmeter bergauf | 11.462 m |
| Höhenmeter bergab | 11.268 m |
| Höchster Punkt | 631 m |
| Tiefster Punkt | 0 m |
| Höhenprofil |
Stationen in der Region – Tagesetappen jeweils blau/grün
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