Heute ziehen wir um. Wir haben mit einigen unserer liebsten Menschen aus Peking eine Villa gemietet – ohne Scheiß! Sechs Schlafzimmer, Pool, mehrere Lounges, Dachterrasse und ein Esszimmer von 120 qm inklusive Billiardtisch … YOLO. Zu Wiebke und meiner Verteidigung: wir haben das Haus nicht ausgesucht, haben aber auch nicht „nein“ gesagt 😉
Am Vormittag schlendern wir noch zusammen mit Mary Rose über den Markt bei uns um die Ecke. Es ist drückend schwül, und die Sonne platziert trotz Bewölkung präzise Nadelstiche auf der Haut. Wir sehen zu, dass wir unsere Sachen einsammeln und uns auf den Weg in die neue Bleibe machen! Scheinbar hat man sich im Kreise unserer Leutchen als Ziel für den Bangkok-Besuch vorgenommen, alle sechs(?) der in der Stadt liegenden sogenannten „Asia’s 50 Best Bars“ zu besuchen. Am ersten Abend mache ich mal mit – lecker :)! Jeder Milliliter der tollen Getränke wird aber mit einem fürstlichen Preis aufgewogen. Die nächsten Abende werde ich nach dem Essen meist so fertig sein, dass ich nur noch einmal mit um den Block laufen werde, um mich dann zu verabschieden.





























Heute Abend wird es einen Grund geben, warum ich so fertig bin!! Fred hat sich im Laufe des letzten Jahres bei einer südlich von Bangkok liegenden Sprungbasis als Fallschirmspringer zertifizieren lassen. Immer auf der Suche nach einem Buddy für sein neues Hobby „arbeitet“ er schon geraume Zeit daran, mich zu überreden, zumindest einen Tandemsprung zu absolvieren – wenn man es genau nimmt, bietet er es jedem an, dem er begegnet, LOL. Ich hatte mein Leben lang immer eine klare Meinung dazu: „Wieso in aller Welt sollte ich?!“ Nun ja, über die Zeit steigt unsere Freundin Vivian ein. Dann sagt Wiebke immer öfter nebenbei, sie hätte irgendwie Bock drauf. Ich habe Fred immer noch nicht zugesagt, halte mir die Entscheidung offen. Als Wiebke letztendlich entschieden hat zu springen und Vivian auch dabei bleibt, will ich auch…!
Ich nehme es mal vorweg: dieser Sprung wird alles in einem sein – eines der schönsten und gleichzeitig das schrecklichste Erlebnis, mit vollem Potential, ein Trauma auszubilden. Mal meine Eindrücke – ein wenig sortiert, nicht in zeitlicher Reihenfolge: Der freie Fall ist MEGA, KRASS, COOL!! Unvergleichlich. Das Gleiten am Schirm ist die erste Minute total irre beängstigend für mich – ich kann nicht einmal die Hände vom Gurt nehmen. Erst nachdem ich steuern durfte, macht es mir richtig Spaß. Im Nachhinein denke ich, es fühlte sich so fürchterlich an, weil ich realisiert habe, dass, wenn meine Gurte vom Instruktor „abreißen“, ich alleine ohne weitere Sicherung falle… Surreal!
Fred hat uns auf dem Weg und immer wieder viel über die Sprünge erzählt, und wir hatten so eine gewisse Vorstellung davon, was zu erwarten ist. Ich fand es besonders beruhigend, dass man nicht aus dem Flieger springen muss, sondern erst auf der Kante sitzen kann, um dann zusammen mit dem Kameramann synchronisiert abzuspringen. Hierzu: vielleicht könnte man es auch erahnen. Es wird im Übrigen auch im Briefing vor dem Sprung erzählt – da war ich mit dem Kopf wohl woanders…
Wie dem auch sei, ich habe auf die harte Tour gelernt, dass, wenn man vor dem Bauch eines Menschen geschnallt ist, nur einer auf der Kante sitzen kann! Es lief ungefähr so ab – alles, was ich jetzt schreibe, bildet die Panik und den Schrecken nur ansatzweise ab – also: wir bewegen uns zur offenen Tür des kleinen, ohnehin viel zu holprigen Flugzeugs (mittlerweile auf ungefähr 4.000 Metern). Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe – vermutlich einfaches Zeug, wie „Scheiße, Scheiße, Scheiße …“. Jedenfalls sitze ich – meine Beine baumeln, weil der Wind zu stark ist und ich sie nicht auf das Fußbrett stellen kann. Soweit okay. In dieser logischen Sekunde spüre ich einen Druck im Rücken. Ich wette, tief im Kopf eines Menschen sitzen so einige Hirnzellen, die auch schon bei den Eidechsen für Panik sorgen, wenn der Vogel sie am Schwanz packt. Diese Gehirnzellen, ohne zu wissen, dass ich an einem Fallschirm hängen werde, schreien nun laut auf: ACHTUNG!! LEBENSGEFAHR!! DU FÄLLST!! Der Kameramann ist schon draußen am Flieger und wartet. Es gibt ein Bild von mir, das locker in die Wikipedia als Beispiel für „animalische Angst“ passen würde. Hätte ich mich nicht, wie instruiert, an meinem Gurt festgekrallt, hätte ich vermutlich die Türen mit meinen Fingernägeln zerkratzt…


















































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