Tja, nun sitze ich wieder alleine im Auto. Ist ’n büschen doof…
Ich will in den Pyrenäen ein paar Tage Bikeparks besuchen und mit dem MTB fahren. Der Weg dorthin ist allerdings lang: Etwas mehr als 1.000 Kilometer sind zu fahren. Diverse Routen sind wegen Waldbränden gesperrt. Ich fahre daher immer mal wieder abwechselnd in den Bergen und an der Küste– je nachdem, was das Navi im Kontext der Feuer gerade erlaubt. Ich bin auch extrem vorsichtig bei meinen Stellplätzen für die Nacht und achte penibel auf mindestens zwei voneinander unabhängige Fluchtwege, falls aus einer Richtung ein Feuer drohen sollte. Die Vegetation ist wirklich staubtrocken!
In der Sierra Nevada fahre ich bis nach ganz oben und überlege, dort zu wandern oder eine MTB-Tour zu starten. Es ist hier oben aber bei Weitem nicht so kühl, wie ich es mir erhofft hatte. Außerdem hatten diese glorreiche Idee offenbar ziemlich viele andere auch. Also drehe ich um und fahre nach dem obligatorischen Snack-, Kaffee- und Powernap-Stopp weiter.
















Im weiteren Verlauf – ich weiß nicht einmal mehr, wo genau ich eigentlich bin – finde ich einen wunderschönen Stellplatz oberhalb eines Stausees. Hier mache ich am nächsten Morgen eine kleine Wanderung, die ich spontan ausdehne. Es ist einfach zu herrlich!


























Wieder an der Küste, finde ich einen wunderschönen Spot für die Nacht– ganz einsam am Strand… Na ja, bis die Locals kommen und zu sechst völlig zugedröhnt einen Film anschauen. Insgesamt nicht ganz das, was ich mir gewünscht hätte, aber sie sind nett, lustig und im Grunde leise. Ich schlafe dann mit Ohrenstöpseln.
Stärker besucht als regulär… Hahaha! Kein Sau ist am Strand. Wunderschön.


Und trotz der Ohrenstöpsel werde ich um ein Uhr wach: Zwei Jugendliche stehen mit ihren Zweitakt-Mofas neben mir und lassen demonstrativ die Motoren aufheulen– das kann ja eigentlich nur den Zweck haben, mich wecken zu wollen… Deppen! Irgendwann geben sie Ruhe, bleiben aber am Strand.
Als sie um fünf Uhr morgens losfahren, wird es natürlich wieder laut. Es riecht plötzlich aber nicht mehr nur nach Zweitakt-Abgasen, sondern extrem verbrannt. Ich bin sofort alarmiert wegen der vielen Buschfeuer und schaue raus: Die Landschaft gleicht einem nebligen Moor, nur dass es hier definitiv kein Nebel ist. Es handelt sich um Rauch von den weiter im Inland wütenden Waldbränden. Der Wind hat offenbar gedreht! Mir brennen die Augen und die Atemwege! Nach kurzem Überlegen fahre ich los, um der Rauchwalze zu entkommen. Ich stoppe erst wieder in einer kleinen Küstengemeinde für ein Frühstück am Strand. Wie zu erwarten, steckt mir diese Nacht ganz schön in den Knochen.









Endlich wieder in den Bergen! Nach dem Fiasko am Bach– siehe Einschub „Wegerecht“– komme ich in La Molina an: ein gigantisches Skigebiet mit Sommerbetrieb der Gondeln für Wanderer und vor allem für Mountainbiker. Es ist spät, ich bin hungrig und völlig erschöpft von der ganzen Action in der prallen Sonne.
Wegerecht (👈🏻 hier klicken)

Bergstraßen, Hitze und Müdigkeit. Ich sehe das Parkplatzschild und biege spontan ab. Der Platz selbst ist etwas vermüllt. Also fahre ich weiter den Weg hinunter durch einen herrlich klaren Bach (Furt als Betonüberfahrt) und entdecke einen bereits abgeernteten Getreideacker mit einem schattigen Fleckchen zum Parken.
Gegenüber vom Acker liegt eine Trinkwasseraufbereitungsanlage. Ein Techniker dort sieht mich– glotzt regelrecht… Depp!–, grüßt aber nicht. Ich springe kurz ins Wasser: Abkühlung, Kaffee, Snack und Powernap. Als ich wieder losfahren will, ist der Techniker schon längst abgefahren… und oben an der Ein- und Ausfahrt hängen plötzlich zwei fette Ketten mit dicken Vorhängeschlössern, gesichert an massiven Stahlpfosten. Der Typ hat mich einfach eingeschlossen!!! Es hat immer noch 39 Grad, und ich will weiter!
Nirgendwo hängen Hinweise, wem das Gelände und folglich die Ketten gehören. Ich latsche zu Fuß an der Straße auf und ab, bis ich Passanten treffe. Die verweisen mich an ein kleines Museum gegenüber. Hätte ich natürlich auch selbst drauf kommen können– es sieht von außen allerdings absolut geschlossen aus. Drinnen ist man erst unwillig, mir zu helfen: Ich könne doch in nur zwanzig Minuten zum nächsten Ort laufen und dort nachfragen… Deppen! Ich quengle so lange herum, bis der Nettere der beiden zum Telefon greift und irgendwann das Büro des Bürgermeisters (!!) am Apparat hat. Die Lösung: Der Bürgermeister persönlich kommt vorbei und schließt mir auf! Jetzt, wo ich das hier so niederschreibe, klingt es viel zu schön, um wahr zu sein… Ist es natürlich auch. Niemand kommt. Auch nach mehrfachem Nachhaken per Telefon herrscht Funkstille.
Irgendwann wird es mir schlicht zu blöd. Ich habe eine Kiste Werkzeug im Auto, darunter auch meine Knipex-Zange… und die Dinger können bekanntlich ALLES! Kurzerhand zerlege ich den Pfosten, überfahre die Kette, hänge sie dahinter wieder locker ein und verpisse mich schleunigst– nicht, dass am Ende doch noch jemand auftaucht…
Am nächsten Tag: Gut erholt und heiß auf spektakuläre Abfahrten bereite ich mich und das Bike vor. Fertig aufgerödelt stehe ich mit dem Rad im Anschlag am Auto und muss eigentlich nur noch abschließen– da grollt plötzlich Donner durch das gesamte Tal. Exakt zwanzig Sekunden später bricht ein massiver Sturzregen los. Eine meiner eisernen Grundregeln beim Biken lautet nun mal: Niemals auf nassen Trails fahren! Ich packe also alles wieder ein und warte erst einmal ab: zweites Frühstück, Powernap und Streckenrecherche im Netz. Der Starkregen lässt zwar nach, aber es ziehen weiterhin Schauer über den Berg. ABBRUCH!
Nach einigen Kilometern und einem gescheiterten Versuch der Passüberquerung (die Piste hätte einen veritablen Geländewagen verlangt) lande ich an einem traumhaften Platz, der offenbar nur von Kühen und Wanderern besucht wird. Das Refugio ein paar Hundert Meter weiter ist mit bemerkenswerten Graffitis verziert. Am Abend halten Ranger des Naturparks bei mir– da bin ich kurz gespannt. Sie weisen mich jedoch extrem freundlich auf die akute Brandgefahr hin, wünschen eine gute Nacht und ziehen wieder ab.
Am nächsten Morgen erfahre ich dann auch prompt, warum hier kaum ein Auto unterwegs ist: Wenige Kilometer hinter meinem idyllischen Stellplatz verwandelt sich das Betonband in eine extrem grobe Schotterpiste. Die nächsten 40 Kilometer poltere ich im Schneckentempo den Berg hinab… und habe Spaß dabei, LOL!




























Der gefasste Entschluss im Kopf, dann doch zeitnah mal wieder nach Hause fliegen zu wollen, zeigt Wirkung: Wie ein gutes Rennpferd beschleunige ich auf dem Rückweg. Die erste Etappe, die ich streiche, ist Banyuls-sur-Mer. Hier hätte ich eigentlich Tim treffen können – der kommt allerdings erst in fünf Tagen an. Das hätte gut gepasst, wäre ich länger zum Mountainbiken in den Pyrenäen geblieben. So peile ich direkt den rund 160 Kilometer weiter östlich gelegenen Küstenabschnitt an. Hier sind nämlich die Kraus im Urlaub, und Olli schreibt mir, dass ich herzlich auf einen Besuch eingeladen bin!
Auf der Karte sieht der Campingplatz– nur einer von vielen– gigantisch aus. „In echt“ ist die Anlage noch viel größer. Es gibt einen Pool für Kinder, einen für +18 Jahre alte Gäste, einen Streichelzoo, Lasertag, Tennisplätze und diverses Material für den Spaß im und auf dem Wasser zu mieten. Nach dem vielen Fahren freue ich mich schon fast auf eine Nacht „All-inclusive“ (na ja, „all“ ja, „inclusive“ nur gegen Kreditkarte).
An der Rezeption freut man sich, mir sogar einen der schönen Plätze weit vorne am Privatstrand anbieten zu können. Es wird explizit gesagt: Jetzt nenne ich Ihnen den Preis. Ich denke noch so drüber nach, warum sie das so deutlich sagt, und höre einen viel zu hohen Betrag, lache und erwidere: Oh nein, ich bleibe nur eine Nacht, keine ganze Woche… Nun ja, 125 Euro für eine Nacht ist mir zu viel! Ich werde den Wagen vor dem Campingplatz parken (kostet nix) und mit einem Besucherbändchen am Handgelenk (kostet nix, nur mein Reisepass wird als Pfand hinterlegt) eine schöne Zeit mit den sechs Nasen verbringen. Olli macht geniale Smash-Burger. Die haben wir uns auch verdient, haben wir doch SUP und Padel-Tennis in größter Hitze gespielt. Kalle lernt Chinesisch in der Schule und freut sich darüber, mal ein paar „Real Life“-Sätze mit jemandem übersetzen zu können.
Auf den nächsten Etappen werde ich mich die Küste entlangschlängeln, um dann irgendwann Richtung Alpen „abzubiegen“. Ich werde über Briançon Richtung Reschenpass fahren. Toll, einfach nur toll, die Alpen!




















Der Reschenpass mit seinem Drei-Länder-Enduro-Trailnetz ist immer eine sichere Bank für viel Spaß auf dem MTB. Die Wettervorhersage droht mir allerdings einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ich schaue, was sonst noch so geht. Sölden, Davos oder die Lenzerheide– überall soll es die nächsten Tage ausgiebig regnen. Also genieße ich es, so lange es geht, am ersten Tag. Auch der platte Reifen ist schnell repariert. Ich bin mit voller Wucht mit dem Hinterrad auf einen Stein geballert und habe dabei den Schlauch durchgeschlagen. So ein paar Jahre ohne Fahrerfahrung auf rauem Gelände in den Bergen merkt man dann doch. Ich sage mal so: „Filigran“ kann man meine Fahrweise gerade nicht nennen. Das läuft eher über viel Kraft… LOL
Ich freue mich schon darauf, Robert und Sybille zu besuchen. Auf dem Weg wäre ich dann noch schön durch die Schweiz gegondelt. Aber die beiden haben für das Wochenende schon Pläne… Dann spreche ich mit Tobi, und der lädt mich spontan zu sich nach Oberstdorf ein– naja, ich bin immer herzlich willkommen bei ihnen. Vermutlich auch ohne Anmeldung! Es ist schön, die Familie endlich mal wieder zu sehen. Ich kann mir nicht wirklich verkneifen, den beiden Kids zu sagen: Mann, ihr seid aber groß geworden! Hahahah! Danke für den schönen Abend :). Ich freue mich schon auf deinen Besuch in Peking, Tobi!























| On the Road | Mo., 27.07. – Fr., 07.08. |
|---|---|
| Strecke | 3.662 km |
| Zeit insgesamt | 276 h 03 min |
| Höhenmeter bergauf | 41.705 m |
| Höhenmeter bergab | 41.760 m |
| Höchster Punkt | 2.743 m |
| Tiefster Punkt | 12 m |
| Höhenprofil |
Stationen in der Region – Tagesetappen jeweils blau/grün
** die Fahrten in Deutschland habe ich vergessen zu loggen, so führt der Track einfach nach Hamburg…
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.